"Feministisch im Job. Wir arbeiten dran" - Lesung und Gespräch mit Dana Müller und Steff Urgast

Donnerstag, 22. Oktober 2026
17:00 - 21:00 Uhr

Kategorien:

Lesung

Kann Arbeit in feministischen Zusammenhängen automatisch gerechter sein? Dana Müller und Steff Urgast geben darauf eine klare Antwort: Nein. In ihrem schmalen Essay „Feministisch im Job? Wir arbeiten dran“ räumt mit der verbreiteten Annahme auf, dass feministische oder queere Organisationen per se vor Machtmissbrauch, Überforderung oder ungerechten Arbeitsbedingungen gefeit seien.

Stattdessen zeigen die beiden Autor:innen, wie tief patriarchale Muster auch dort fortwirken, wo sie eigentlich überwunden werden sollen.Ausgangspunkt sind die eigenen Erfahrungen der Autor:innen in feministischen Medien-, Kultur- und Bildungszusammenhängen. Ergänzt werden diese durch Gespräche mit Menschen aus den Bereichen Aktivismus, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft. Die geschilderten Erfahrungen ähneln sich dabei verblüffend: intransparente Entscheidungen, ungleiche Bezahlung, Überlastung, Konfliktscheu und Führungsstrukturen, die den eigenen Ansprüchen häufig nicht gerecht werden.

Der Essay verzichtet dabei bewusst auf Schuldzuweisungen oder persönliche Abrechnungen. Im Mittelpunkt stehen die Strukturen – nicht einzelne Personen.Das Buch wird besonders spannend, wenn es den Blick nach vorn richtet. Mit dem sogenannten MONIKA-Mechanismus entwickeln Müller und Urgast keinen starren Führungsstil, sondern einen Diskussionsvorschlag für eine feministische Organisationskultur. Macht teilen, Ohnmacht abbauen, Normen hinterfragen, inklusiv entscheiden, Kollektive stärken und Allianzen bilden: Hinter jedem Buchstaben steht ein Impuls, der weniger eine Patentlösung als eine Einladung zur gemeinsamen Aushandlung ist. Denn, so die zentrale Botschaft des Essays, Feminismus ist kein Zustand, sondern ein fortlaufender Prozess.

Die große Stärke des Buches liegt darin, unbequeme Fragen zu stellen, ohne den feministischen Anspruch grundsätzlich infrage zu stellen. Im Gegenteil: Müller und Urgast kritisieren aus einer solidarischen Haltung heraus. Sie wollen feministische Institutionen nicht delegitimieren, sondern dazu beitragen, dass sie ihren eigenen Ansprüchen besser gerecht werden. Gerade dadurch gewinnt der Essay an Glaubwürdigkeit.

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Eintritt frei

Veranstalter:

Koordinierungsstelle Genderforschung & Chancengleichheit Sachsen-Anhalt